Inselapotheken in Schleswig-Holstein: Beispiel Amrum
Inselapotheken in Schleswig-Holstein zeigen im Kleinen, worum es bei der Apothekenversorgung im ganzen Land geht: Wohnortnahe Beratung und sofortige Verfügbarkeit von Arzneimitteln, auch wenn die Wege weit sind und die Kosten steigen. Ein Beispiel liefert Amrum, wo zwei Apotheken die Insel versorgen. Und das Land insgesamt hat in den vergangenen Jahren stetig Apotheken verloren.
Auf einen Blick
- Auf Amrum gibt es zwei Apotheken: die Möwen-Apotheke in Norddorf und die Louisen-Apotheke in Wittdün.
- Laut Apothekerkammer sank die Zahl der öffentlichen Apotheken im Land von 576 (Ende des ersten Quartals 2024) auf 547 (Ende des dritten Quartals 2026).
- Ende 2025 arbeiteten in Schleswig-Holstein 430 Apothekenleitungen und 1.523 angestellte Apothekerinnen und Apotheker in öffentlichen Apotheken, dazu 2.470 PTA.
- Seit dem 2. Juli 2026 gilt die Apothekenreform; sie erlaubt unter anderem, die Filialleitung auf zwei Approbierte aufzuteilen.
Wie arbeiten die Apotheken auf Amrum?
Den Anlass für dieses Thema liefert ein Beitrag auf Amrum-News vom 20. März 2026. Er stellt die beiden Inselapotheken vor und erklärt, warum sie am bundesweiten Protesttag der Apotheken am 23. März geschlossen blieben. Die Möwen-Apotheke in Norddorf wird von Apothekerin Sibylle Franz geführt, die Louisen-Apotheke in Wittdün von Apothekerin Julia Kruggel.
Beide Apotheken heben laut dem Bericht hervor, was sie vor Ort leisten: persönliche Beratung und die unmittelbare Versorgung mit Medikamenten. Versandapotheken können das nach Darstellung des Artikels nicht in gleicher Weise leisten. Den Schließtag nutzten die Teams außerdem, um wachsende Bürokratie aufzuarbeiten. Wichtig war den beiden Apothekerinnen die Botschaft, dass sich der Protest nicht gegen Patientinnen und Patienten richtet, sondern gegen die Politik. Sie baten die Kundschaft um Verständnis.
Der Hintergrund ist die Vergütung. Das Honorar pro Packung eines verschreibungspflichtigen Arzneimittels lag damals bei 8,35 Euro und war laut Amrum-News seit 2013 nicht erhöht worden. Die angekündigte Anhebung auf 9,50 Euro reiche nicht aus, heißt es dort, denn Personal-, Energie- und Sachkosten seien in dieser Zeit um rund 65 Prozent gestiegen. Seit 2013 habe in Deutschland jede fünfte Apotheke aus wirtschaftlichen Gründen dauerhaft geschlossen. Das sind Aussagen der Apotheken selbst, die in dem Beitrag so wiedergegeben werden.
Wie viele Apotheken gibt es in Schleswig-Holstein?
Die Apothekerkammer Schleswig-Holstein veröffentlicht die Zahl der öffentlichen Apotheken zum Quartalsende. Die Reihe zeigt einen langsamen, aber stetigen Rückgang: 576 im ersten Quartal 2024, 564 zum Jahresende 2024, 554 zum Jahresende 2025 und 547 im dritten Quartal 2026. Insgesamt sind das 29 Apotheken weniger, etwa 5 Prozent. Neueröffnungen sind in dieser Zeit die Ausnahme: Die Kammer vermerkt eine im zweiten Quartal 2024, eine Wiedereröffnung im dritten Quartal 2024 und eine Neueröffnung im dritten Quartal 2025.
Die Pharmazeutische Zeitung kommt bei ihrer Quartalsabfrage zu denselben Größenordnungen. Im ersten Quartal 2026 zählte sie in Schleswig-Holstein drei Schließungen ohne Neueröffnung (551 Apotheken am 31. März), im zweiten Quartal 2026 eine Schließung und keine Neueröffnung (550 am 30. Juni). Für das dritte Quartal meldet die Zeitung am 9. Oktober 2026 drei Schließungen und keine Neueröffnung, der Bestand liegt bei 547. Laut PZ lagen dabei nicht aus allen Ländern Zahlen vor, ein bundesweiter Vergleich ist deshalb nur eingeschränkt möglich.
Wer arbeitet in den Apotheken?
Die Kammerstatistik zum 31. Dezember 2025 gibt auch einen Einblick in die Personalstruktur. In Schleswig-Holstein waren 3.997 Apothekerinnen und Apotheker registriert, rund 72 Prozent davon Frauen. In öffentlichen Apotheken arbeiteten 430 als Apothekenleitung und 1.523 als angestellte Apothekerinnen und Apotheker. Hinzu kommen 2.470 pharmazeutisch-technische Assistentinnen und Assistenten (PTA) sowie 1.007 pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA). 132 PKA befanden sich in Ausbildung, 36 neue Ausbildungsverträge wurden 2025 geschlossen.
Von den 554 öffentlichen Apotheken hatten 324 (58,5 Prozent) eine Leitung und mindestens eine weitere Apothekerin oder einen weiteren Apotheker in Vollzeit. Die Statistik beschreibt das Land als Ganzes. Wie die Personallage auf einer Insel wie Amrum aussieht, lässt sich daraus nicht ablesen.
Was ändert sich durch die Apothekenreform?
Am 2. Juli 2026 trat das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) in Kraft. Die Pharmazeutische Zeitung berichtete am selben Tag von der Delegiertenversammlung der Apothekerkammer Schleswig-Holstein. Kammerpräsident Kai Christiansen reagierte erfreut mit einem „Endlich!“, bedauerte aber, dass die Erhöhung für viele Betriebe zu spät komme. Kammergeschäftsführer Felix-Alexander Litty wertet die Reform als Erfolg, vor allem weil sich das Honorar künftig in Verhandlungen an die Kostenentwicklung koppeln lasse.
- Das Packungshonorar steigt erstmals seit 13 Jahren, der erste Schritt ist in Kraft.
- Die Kompetenzen beim Impfen und bei pharmazeutischen Dienstleistungen werden erweitert.
- Die bedingte Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel an chronisch Kranke gilt laut PZ ab sofort.
- Die Filialleitung kann auf zwei Approbierte aufgeteilt werden.
- Die Regelung zur Vertretung durch PTA wurde im Verfahren laut PZ deutlich entschärft.
Die ABDA verweist in ihrer Studie vom Juni 2026 außerdem darauf, dass in Flächenländern viele „isolierte“ Apotheken ganze Regionen allein versorgen. Als Beispiele nennt der PZ-Bericht dazu Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen, Zahlen für Schleswig-Holstein enthält er nicht.
Was kannst du tun?
Wenn du eine Apotheke in deiner Nähe suchst, hilft dir die Apothekensuche für Schleswig-Holstein. Dort findest du Apotheken auf der Karte, für Städte wie Kiel und Husum gibt es eigene Übersichten. Bundesweit kannst du im ApoGuru-Verzeichnis stöbern. Wer auf einer Insel oder in einer kleinen Gemeinde lebt, kann bei der Stammapotheke nachfragen, wie lange sie für bestimmte Arzneimittel braucht und was bei Dauermedikation zu beachten ist. Dieser Beitrag ist der Auftakt für weitere Artikel zur Versorgung im Norden. Alle Angaben geben den in den Quellen genannten Stand wieder.
Neu: So stand es im dritten Quartal 2026
Die Pharmazeutische Zeitung hat am 9. Oktober 2026 die Quartalszahlen der Apothekerkammern veröffentlicht. Für Schleswig-Holstein meldet sie im dritten Quartal 3 Schließungen und keine Neueröffnung. Insgesamt gab es damit 547 Apotheken. Die Zahlen hat die Zeitung bei den Kammern abgefragt, nicht aus allen Ländern lagen sie zum Redaktionsschluss vor. Welche Standorte es aktuell in Schleswig-Holstein gibt, siehst du auf der Karte mit allen Apotheken.
Quellen und weiterführende Links
- Protesttag der Apotheken am Montag, dem 23. März (Amrum-News, 20.03.2026)
- Anzahl der öffentlichen Apotheken zum Quartalsende und Statistik 2025 (Apothekerkammer Schleswig-Holstein, Stand 3. Quartal 2026)
- Apothekenreform: Vom Krisenmodus zur Zukunftsgestaltung (Pharmazeutische Zeitung, 02.07.2026)
- Apothekensterben hält auch im dritten Quartal an (Pharmazeutische Zeitung, 09.10.2026)
- Mehr als 6 Kilometer zur nächsten Apotheke (Pharmazeutische Zeitung, 09.06.2026)




















